Warnstreikwoche erhöht Druck auf Arbeitgeber am Verhandlungstisch Nächste Verhandlung in Holz und Kunststoff verarbeitender Industrie am 22. Januar

Die Beschäftigten der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie in Niedersachsen und Bremen haben in dieser Warnstreikwoche das geliefert, was am Verhandlungstisch bislang fehlte: Bewegung.

IG Metall Aktion Tarifrunde Holz- und Kunststoffindustrie, Warns

16. Januar 2026 16. Januar 2026


In zahlreichen Betrieben kam es zu Arbeitsniederlegungen und Aktionen. 2.500 Beschäftigte beteiligten sich. Schwerpunkte lagen in Osnabrück, Oldenburg, Leer/Papenburg und Bad Münder. Der Konflikt ist damit aus dem reinen Verhandlungsmodus heraus – und wieder dort sichtbar, wo er hingehört: in den Betrieben, an den Werkstoren, an denen Wertschöpfung Tag für Tag erarbeitet wird.

Die IG Metall fordert 5 Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, eine spürbare Aufwertung der Ausbildungsvergütungen sowie eine mitgliederwirksame Komponente. Anlass der Proteste ist, dass die Arbeitgeberseite in den bisherigen beiden Verhandlungen kein Angebot vorgelegt hat.

„Diese Warnstreikwoche setzt eine klare Grenze: Ohne Angebot geht es nicht weiter“, sagt Markus Wente, Verhandlungsführer der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. „Wer verhandelt, muss etwas auf den Tisch legen. Wenn die Arbeitgeber weiter Zeit gewinnen wollen, wird der Druck steigen. Die Beschäftigten haben gezeigt: Sie sind bereit, nachzulegen – notfalls auch mit einem Gang mehr.“

Markus Wente, Verhandlungsführer der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Fotograf: Hermann Pentermann.

Aus Sicht der IG Metall ist die Rechnung schlicht: Wenn Entgelte und Ausbildungsvergütungen stehenbleiben, verliert die Branche an Attraktivität und die Beschäftigten an Kaufkraft. Das trifft zuerst den Nachwuchs – und kurz darauf die Betriebe, die Fachkräfte nicht halten oder gewinnen können. Gleichzeitig bleiben die Lebenshaltungskosten für viele Beschäftigte spürbar hoch, während Arbeitsdichte und Personalengpässe in den Betrieben zunehmen. Wer das ignoriert, riskiert, dass sich die Probleme verfestigen.

Rund 18.000 Menschen arbeiten in Niedersachsen in der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie (HVI) und somit in der Herstellung von Möbeln, Fenstern, Türen, Verpackungen sowie Zulieferteilen, unter anderem für die Automobilindustrie. Viele Betriebe sind mittelständisch geprägt, hochqualifiziert – und liefern Produkte, ohne die andere Industrien nicht produzieren könnten. „Tarifverträge sorgen für faire, verlässliche Standards – und dafür, dass Wettbewerb nicht über Lohndruck läuft“, so Wente. „Wer die Branche zukunftsfähig halten will, muss das auch in den Entgelttabellen zeigen.“

Die dritte Tarifverhandlung findet am 22. Januar 2026 in Osnabrück statt. Die IG Metall erwartet dort ein Angebot, das den Abstand zwischen Forderung und Arbeitgeberposition tatsächlich verkleinert. Weitere Aktionen und Warnstreiks sind bis dahin möglich.