MAN-Standort in Salzgitter Zukunft braucht Zusage – ohne Standortperspektive über 2030 hinaus keine Einigung für MAN

Nach Wochen intensiver Gespräche über Eckpunkte zur Fortführung des Zukunftstarifvertrages zieht die IG Metall Salzgitter-Peine eine klare Grenze.

Aktion bei MAN Salzgitter

16. Januar 2026 16. Januar 2026


Solange der Vorstand keine belastbare Zusage für den Produktionsstandort Salzgitter über das Jahr 2030 hinaus erteilt, wird es keine Unterzeichnung eines Eckpunkte-Papiers im Namen der Beschäftigten geben. Aus Sicht der Gewerkschaft geht es nicht um Formulierungen, sondern um die entscheidende Weichenstellung: Hat Salzgitter eine industrielle Zukunft – ja oder nein?

„Zukunft ist kein unverbindliches Versprechen, das man nach Belieben vertagt. Zukunft ist eine Verpflichtung – und die muss der Vorstand jetzt eingehen“, erklärt Markus Hulm, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Salzgitter-Peine. „Eine Vereinbarung ohne Standortgarantie wäre nichts anderes als ein Vertrag über Unsicherheit. Das werden wir nicht mittragen.“

Markus Hulm, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Salzgitter-Peine. Fotograf: Marc Schumann.

Die IG Metall verweist darauf, dass am Standort seit geraumer Zeit konkret an einer tragfähigen Perspektive gearbeitet wird. In den vergangenen Monaten wurden – gemeinsam mit Fachleuten aus unterschiedlichen Bereichen – industrielle Optionen geprüft, verdichtet und weiterentwickelt: für eine zukunftsfähige Fertigung in Salzgitter ebenso wie für eine strategisch aufgestellte Ersatzteillogistik und eine leistungsfähige Komponentenfertigung. Ziel sei es, industrielle Kompetenz zu sichern und neue Wertschöpfung zu erschließen.

Gleichzeitig werde jedoch immer deutlicher, dass das bereits 2025 von MAN vorgelegte „Zielbild“ keine echte Zukunftsperspektive eröffne, sondern einen schleichenden Rückzug anlege – verbunden mit der Gefahr massiver Arbeitsplatzverluste, der Stilllegung ganzer Fertigungslinien und möglicher Ausgliederungen betrieblicher Kerne. Bereits in Gesprächen im vergangenen Herbst habe das Unternehmen Szenarien skizziert, die aus Sicht von IG Metall und Betriebsrat die Entkernung des Standorts bedeuten würden: Die Achsmontage, Rohrfertigung und mechanische Bearbeitung stünden demnach zur vollständigen Verlagerung; die Kurbelwellenfertigung solle zwar vorübergehend fortgeführt, jedoch bis spätestens 2032 schrittweise beendet werden. Das CKD-Geschäft bleibe zwar formal am Standort, sei jedoch volatil und ohne langfristige Auftragsperspektive kein stabiler Anker. Und beim Ersatzteil-Logistikcenter bestehe die begründete Sorge, dass eine Ausgliederung in eine eigenständige Gesellschaft – oder sogar ein Verkauf – tarifliche Standards, Beschäftigungssicherheit und Mitbestimmung unter Druck setzt. „Im Klartext heißt das Vorgehen der Chefetage: Die industrielle Substanz des Standorts wird in Etappen demontiert – zuerst verlagert, dann ausgegliedert, schließlich abgebaut“, warnt Hüseyin Uc, Vorsitzender des Betriebsrats am MAN-Standort Salzgitter.


2025-09 MAN Salzgitter Aktion

Die Gewerkschaft fordert den Vorstand auf, mit Mandat und Entscheidungskraft an den Tisch zurückzukehren. Notwendig seien konkrete Zusagen und Planungssicherheit – nicht „Prüfaufträge“ oder Gesprächsrunden ohne Ergebnis. „Eine tragfähige Lösung entsteht nicht unter dem Motto ‚friss oder stirb‘. Sie entsteht nur, wenn die Arbeitgeberseite Verantwortung übernimmt: transparent, verbindlich und im ernsthaften Austausch“, so Hulm. Der Betriebsratsvorsitzende Uc ergänzt: „Wir verhandeln über Perspektiven, nicht über Abwicklung. Wer unsere Zukunft zur Disposition stellt, wird unseren Widerstand spüren – solidarisch, geschlossen und entschlossen.“

Vor diesem Hintergrund hält die IG Metall an ihrer Einladung zu Verhandlungen am 29. Januar 2026 in Salzgitter fest. Das Treffen müsse der ernsthafte Einstieg in verbindliche Vereinbarungen sein – nicht ein weiterer Termin ohne Konsequenz. „Der Vorstand sollte sich darauf einstellen, dass ihm in Salzgitter eine der bestorganisierten Belegschaften des Landes gegenübersitzt – hochqualifiziert, hochmotiviert und kampfbereit, wenn es um die eigene Zukunft geht“, sagt Hulm deutlich. „Dieses Treffen darf kein Vorgang für die Ablage sein – es muss ein Termin für Klarheit und Verbindlichkeit. Ohne eine verlässliche Zusage über das Jahr 2030 hinaus gibt es keinen Abschluss – und wir werden den Verhandlungstisch nicht verlassen, bevor diese Frage beantwortet ist.“