Nachdem die Tarifvertragsparteien in den regionalen Tarifgebieten der Metall- und Elektroindustrie im November 2024 einen robusten Tarifabschluss erzielen konnten, folgt nun ein weiterer Umsetzungsschritt des Ergebnisses: In tarifgebundenen Betrieben steigt der Zusatzbetrag des Tariflichen Zusatzgelds B (T‑ZUG B) auf 26,5 Prozent des Eckentgelts – ein Plus von 8 Prozentpunkten; vormals betrug der Wert der jährlichen Sonderzahlung 18,5 Prozent eines Eckentgelts (je nach Tarifgebiet unterschiedlich).
Bereits bis Februar 2025 erhielten die Beschäftigten in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt eine Einmalzahlung von 600 Euro brutto. Zuvor sind im Januar 2025 außerdem die Vergütungen für Auszubildende und Dual Studierende um 140 Euro monatlich gestiegen – unabhängig vom Ausbildungsjahr. Und auch der nächste Schritt ist bereits terminiert: Im April 2026 steigen die Entgelttabellen dauerhaft um 3,1 Prozent. Damit setzt sich die tabellenwirksame Entwicklung fort, die mit der Erhöhung um 2 Prozent im April 2025 begonnen hat.
Dass es trotz herausfordernder Rahmenbedingungen zu diesem stabilisierenden Ergebnis kam, war dem Druck der Belegschaften zu verdanken. Bundesweit beteiligten sich mehr als 600.000 Beschäftigte an Warnstreiks und gaben so der Gewerkschaft am Verhandlungstisch den nötigen Rückenwind. „Tarifverträge sind die Infrastruktur guter Arbeit“, sagt IG‑Metall‑Bezirksleiter Thorsten Gröger, der die Tarifverhandlungen der Metall- und Elektroindustrie in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt für die Gewerkschaft führt. „Sie schaffen Berechenbarkeit in einer Zeit, in der vieles unberechenbar geworden ist! Dieser Abschluss war das Ergebnis von Haltung und Zusammenhalt. Wir haben die Härten der Preissteigerungen für viele Kolleginnen und Kollegen abgefedert – und zugleich die wirtschaftlichen Herausforderungen einiger Betriebe nicht geleugnet.“
Mit Blick auf die kommenden Monate zeigt sich: Im Herbst 2026 startet die nächste Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie. Und für die Metallerinnen und Metaller in den Betrieben geht die Forderungsdiskussion bereits ab Frühjahr los. Die Friedenspflicht endet am 31. Oktober um 24 Uhr. Ab dem 1. November sind Warnstreiks zulässig. In der ME‑Industrie, der mit bundesweit über 3,7 Millionen Beschäftigten mit Abstand größten Branche, kann die IG Metall die Entgelttarife in den einzelnen Tarifgebieten mit einer Frist von einem Monat zum Monatsende erstmals zum 31. Oktober 2026 kündigen.
„Für eine konkrete Forderung ist es jetzt noch zu früh“, betont Gröger. „Das ist auch eine Frage des Respekts gegenüber unseren Gremien: In den regionalen Tarifkommissionen wird die Linie in einem demokratischen Prozess beraten und beschlossen. Fest steht schon heute: 2026 sind die Preissteigerungen im Portemonnaie der Kolleginnen und Kollegen weiter zu spüren – und am Ende wird auch eine Entgeltforderung stehen.“
Klar ist zugleich: Tarifpolitik kann Einkommen stabilisieren, verlässliche Standards sichern und helfen, Konflikte fair zu lösen. Sie kann jedoch nicht an die Stelle dessen treten, was bei zentralen Standortfragen politisch entschieden und umgesetzt werden muss – etwa bei Energiepreisen, Infrastruktur, Netzen oder Bildung. Wo strukturelle Belastungen wirken, lassen sie sich durch tarifliche Regelungen allenfalls abfedern, nicht aber grundsätzlich beheben. Deshalb sieht die IG Metall die Politik im ersten Halbjahr 2026 in besonderer Pflicht, dem industriellen Rahmen höchste Priorität einzuräumen: Entscheidungen treffen, Mittel wirksam machen, Hemmnisse abbauen – und so Bedingungen schaffen, unter denen Betriebe investieren und Beschäftigung hier eine Zukunft hat. „Deutschland bleibt nur dann ein starkes Industrieland, wenn die Politik ihre Hausaufgaben macht“, sagt der Gewerkschafter.