Ein konsistentes Zukunftskonzept ist nicht erkennbar, verbindliche Zusagen zur Beschäftigungssicherung stehen weiterhin aus. Im Dezember 2025 hatte die Geschäftsleitung angekündigt, im Jahr 2026 rund 1.500 Stellen abbauen zu wollen. Bereits 2024 waren etwa 600 Arbeitsplätze weggefallen – verbunden mit dem Versprechen, das Unternehmen damit wieder in eine stabile wirtschaftliche Entwicklung zu führen. Diese Zusage steht nun faktisch erneut zur Disposition.
„Die Beschäftigten haben in den vergangenen Jahren erhebliche Einschnitte getragen“, erklärt Thilo Reusch, Verhandlungsführer der IG Metall. „Wer nach einem umfangreichen Stellenabbau eine positive Perspektive in Aussicht stellt, kann wenige Monate später nicht die nächste Restrukturierungsrunde eröffnen, ohne belastbare Begründung und ohne tragfähiges Gesamtkonzept.“
Die Gespräche verlaufen seit Wochen schleppend. Vereinbarte Unterlagen wurden verspätet vorgelegt, zugesagte Positionen wieder relativiert. In der fünften Verhandlungsrunde hatte die Arbeitgeberseite selbst einen Vorschlag unterbreitet, der nach erfolgreichem Abschluss des Personalabbaus eine Beschäftigungssicherung bis 2029 vorsah. Die IG Metall reagierte konstruktiv, zeigte sich zu substantiellen Zugeständnissen bereit – unter anderem bei Arbeitszeitregelungen und einer Nullrunde für 2026. Eine Einigung erschien greifbar. „Umso irritierender ist es, wenn eine solche Gesprächsbasis im Nachgang wieder infrage gestellt wird. Wer Vorschläge unterbreitet, muss zu ihnen auch belastbar stehen“, so der Gewerkschafter.
Zentral bleibt die Frage der Finanzierung eines möglichen Freiwilligenprogramms. Die Geschäftsführung hat bislang keine tragfähige Lösung präsentiert, wie ein sozialverträglicher Personalabbau im angekündigten Umfang realisiert werden soll. Gleichzeitig bleibt offen, wie die verbleibende Belegschaft langfristig abgesichert wird. „Ein Personalabbau dieser Größenordnung erfordert ein finanziell unterlegtes Konzept. Ohne eine realistische Planung entsteht der Eindruck, dass Risiken auf die Beschäftigten verlagert werden sollen“, erklärt Reusch.
Zusätzliche Verunsicherung hat die Beauftragung eines weiteren Gutachtens bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ausgelöst. Nach monatelangen Gesprächen und bereits vorliegenden Analysen stellt sich die Frage, warum nun eine erneute Prüfung erforderlich ist. „Wenn grundlegende strategische Fragen erst jetzt extern überprüft werden, ist das ein deutliches Signal dafür, dass intern offenbar keine abschließende Klarheit besteht“, so der Metaller. „Die Beschäftigten haben Anspruch darauf zu erfahren, welche Szenarien geprüft werden, welche Standorte betroffen sein könnten und welche Konsequenzen sich daraus ergeben.“
Vor dem Hintergrund des aktuellen IAV-Zick-Zack-Kurses hat die IG Metall einen umfassenden Fragenkatalog an die Geschäftsführung gerichtet. Darin werden unter anderem die wirtschaftlichen Grundlagen der Restrukturierungspläne, die Finanzierung eines möglichen Freiwilligenprogramms, die strategische Fortführungsprognose, die Rolle externer Gutachten sowie mögliche Auswirkungen auf Standorte und Beschäftigtenzahlen adressiert. Die Gewerkschaft erwartet hierzu vollständige und nachvollziehbare Antworten.
Für die IG Metall ist klar: Eine weitere Restrukturierung kann nur dann tragfähig sein, wenn sie in ein nachvollziehbares Zukunftskonzept eingebettet ist und mit einer verbindlichen Beschäftigungssicherung für die verbleibenden Beschäftigten verbunden wird. Weitere Zumutungen ausschließlich auf dem Rücken der Beschäftigten sind kein gangbarer Weg. „Ein Unternehmen braucht strategische Konsistenz statt permanenter Kurskorrekturen“, erklärt Reusch. „Verlässlichkeit gegenüber Standorten und Beschäftigten ist die Voraussetzung für neues Vertrauen.“
„Die Arbeitnehmerseite hat ihre Verantwortung wahrgenommen. Wir bleiben verhandlungsbereit. Nach Jahren des Umbruchs und wiederholter Einschnitte liegt es nun an der Geschäftsführung, eine konsistente Strategie vorzulegen. Jetzt ist die Unternehmensleitung gefordert, ihrer Verantwortung gerecht zu werden“, so IG Metall-Verhandlungsführer Reusch abschließend.