Projekt für Sachsen-Anhalt IG Metall fordert landesweites „Von guter Arbeit in gute Arbeit“

Die IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt spricht sich für den Aufbau eines landesweites Job-to-Job-Netzwerks in Sachsen-Anhalt aus.

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Ziel muss es sein, industrielle Transformationsprozesse so zu gestalten, dass Beschäftigte frühzeitig von bestehender in neue, gute Arbeit wechseln können – bevor Arbeitslosigkeit entsteht und betriebliche Kompetenz verloren geht. In einigen Regionen des Landes existieren bereits erste arbeitsmarktpolitische Drehscheiben, doch nun gilt es, diese punktuellen Ansätze zu einem landesweit verzahnten und dauerhaft funktionsfähigen Netzwerk auszubauen, das Beschäftigten echte Übergänge ermöglicht und die Transformationsfähigkeit des Industriestandorts stärkt.

Zweifelsohne ist die industrielle Situation herausfordernd. Sachsen-Anhalt steht vor tiefgreifenden strukturellen Veränderungen. Dekarbonisierung, Digitalisierung, geopolitische Verschiebungen und demografischer Wandel führen zu gleichzeitigen Bewegungen am Arbeitsmarkt. Bevor über Job-to-Job-Wechsel gesprochen werde, gehe es darum, innerbetriebliche Lösungen durch Qualifizierung, neue Aufgabenfelder, Versetzungen oder innovative betriebliche Entwicklungen auszuschöpfen, damit Erfahrung, Teamstrukturen und Know-how erhalten bleiben. Betriebsräte und Unternehmensleitungen tragen hier gemeinsam Verantwortung, unterstützt durch tarifliche Instrumente, die von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden ausgehandelt wurden und bewährte Mechanismen zur Beschäftigungssicherung und sozial verträglichen Gestaltung von Veränderungen bieten. Wo innerbetriebliche Möglichkeiten an Grenzen stoßen, braucht es ergänzende Wege, um Beschäftigten dennoch eine stabile und ihrer Qualifikation entsprechende berufliche Perspektive zu eröffnen.

In einzelnen Branchen und Betrieben entstehen Überkapazitäten, während andere Bereiche händeringend qualifizierte Fachkräfte suchen. Ohne koordinierte Übergangsmechanismen drohen unnötige Brüche in Erwerbsbiografien und ein Verlust an industriellem Know-how. Ein systematisch aufgebautes Job-to-Job-Netzwerk würde diese Diskrepanz strategisch adressieren. Unternehmen mit absehbarem Personalüberhang könnten frühzeitig mit Betrieben vernetzt werden, die Fachkräftebedarf haben. Beschäftigte erhielten so die Möglichkeit, direkt in neue Tätigkeiten zu wechseln – qualifikationsnah, planbar und ohne Phase der Erwerbslosigkeit.

„Es ist volkswirtschaftlich unsinnig, qualifizierte Fachkräfte erst in Arbeitslosigkeit zu schicken, um sie Monate später wieder zu suchen. Ein moderner Industriestandort organisiert Übergänge – er verwaltet nicht den Verlust von Kompetenz“, so Thorsten Gröger, IG Metall-Bezirksleiter. „Arbeitsmarktpolitik darf nicht erst einsetzen, wenn die Kündigung ausgesprochen ist. Wer industrielle Stärke sichern will, muss Übergänge organisieren, bevor Brüche entstehen.“

Ein solches Netzwerk würde keine parallelen Strukturen schaffen, sondern vorhandene Instrumente intelligenter verzahnen. Arbeitsverwaltung, Mitbestimmung, Weiterbildungsförderung und regionale Wirtschaftsförderung müssten systematisch koordiniert werden. Voraussetzung ist eine gleichberechtigte Beteiligung von Arbeitgebern, Gewerkschaften, Landesregierung in Zusammenarbeit mit Kammern und Bildungsträgern. In Niedersachsen wurde zu Jahresbeginn ein solches Projekt von IG Metall, NiedersachsenMetall und SPD-geführter Landesregierung ins Leben gerufen. 

Ein präventiver Ansatz sichert nicht nur individuelle Perspektiven, sondern stabilisiert regionale Wertschöpfungsketten und erhöht die Resilienz des Industriestandorts. „Jede gelungene Job-to-Job-Vermittlung hält Wertschöpfung, Erfahrung und Innovationskraft im Land. Wer Fachkräfte verliert, verliert Zukunftsfähigkeit – so einfach ist die Rechnung!“, untermauert der Bezirksleiter abschließend. Die Gewerkschaft wird daher das Gespräch mit der Landesregierung, den Arbeitgeberverbänden und der regionalen Arbeitsagentur suchen, um die Voraussetzungen für ein solches Netzwerk zu eruieren. Ziel ist eine dauerhaft angelegte Struktur, die den industriellen Wandel sozial verantwortungsvoll begleitet und Fachkräfte im Land hält.