Niedersächsischer Gießereidialog: Branche drängt auf Entlastungen bei Energie und Bürokratie

Beim Niedersächsischen Gießereidialog haben Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Verbänden, Gewerkschaften und Politik ein gemeinsames Positionspapier verabschiedet.

Gießereidialog


Darin bündeln sie zentrale Forderungen an Bund und Europäische Union, um die Wettbewerbsfähigkeit der Gießerei-Industrie zu sichern. Im Fokus des Positionspapiers stehen insbesondere:

- Faire Wettbewerbsbedingungen: Einbeziehung von Gusskomponenten in handelspolitische Schutzinstrumente sowie konsequentes Vorgehen gegen Dumpingimporte.

- Wirksamer Carbon-Leakage-Schutz: Ausweitung bestehender Schutzmechanismen wie CBAM und die Verordnung zum nationalen Brennstoffemissionshandel (BECV) auf die Gießereiindustrie.

- Wettbewerbsfähige Energiekosten: Einführung eines langfristig tragfähigen Industriestrompreises sowie dauerhafte Entlastungen bei Netzentgelten und Strompreiskompensation.

- Stärkung der Kreislaufwirtschaft und Rohstoffversorgung: Sicherstellung der Verfügbarkeit von Stahl- und Metallschrott sowie stärkere Berücksichtigung von „Local Content“ in öffentlichen Ausschreibungen.

- Praxisgerechte Regulierung: Vermeidung zusätzlicher Belastungen bei der Umsetzung europäischer Umweltvorgaben, insbesondere bei der Industrieemissionsrichtlinie (IED 2.0).

Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne: „Die Gießerei-Industrie ist ein unverzichtbarer Teil unserer industriellen Basis. Sie steht für Wertschöpfung, Beschäftigung und technologische Kompetenz – und sie ist zugleich ein zentraler Baustein für die Transformation hin zu einer klimaneutralen Industrie. Gleichzeitig sehen wir, unter welchem Druck viele Betriebe stehen. Mit dem heutigen Dialog bündeln wir die Anliegen der Branche und senden ein klares Signal an Bund und Europa: Es braucht jetzt verlässliche, wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen.“

Benedikt Hüppe, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen e.V. (UVN): „Die Gießerei-Industrie ist wichtig für Niedersachsen, weil viele andere Branchen von ihr abhängen, von der Energiewirtschaft bis zum Maschinenbau. Damit die Unternehmen eine Zukunft am Standort haben, brauchen sie vor allem günstigere Energie, Schutz vor Wettbewerbsnachteilen durch Klimaregeln und endlich weniger komplizierte Vorschriften. Das gemeinsame Positionspapier und der heutige Dialog senden das klare Signal: Niedersachsen stellt sich hinter seine Gießereien."

Dr. Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer von NiedersachsenMetall: „Gerade in einem Autoland wie Niedersachsen kommt Gießereien eine Schlüsselfunktion zu: Sie stehen meist am Anfang der industriellen Wertschöpfungskette – ohne Gussteile gäbe es keinen Auto- oder Maschinenbau. Dennoch leidet die Branche besonders unter den anhaltenden Wettbewerbsnachteilen am Standort Deutschland: Hohe Energiekosten, wachsende Bürokratie und eine aus dem Ruder gelaufene Energie- und Klimapolitik. Wenn wir Industriestandort bleiben wollen, müssen die Gießereien schnell stabilisiert werden – und dafür liefert unser gemeinsames Papier die richtigen Impulse.“

Thorsten Gröger, IG Metall-Bezirksleiter Niedersachsen und Sachsen-Anhalt: „Die Gießerei-Industrie ist von elementarer Bedeutung für die industrielle Wertschöpfung in Deutschland und insbesondere auch hier in Niedersachsen. Sie steht am Anfang zahlreicher Fertigungsketten und liefert unverzichtbare Vorprodukte für zentrale Branchen. Wer ihre Zukunft sichert, schützt deshalb nicht nur Betriebe und Standorte, sondern auch die Arbeit vieler Tausend Beschäftigter. Gerade in Zeiten wachsender Unsicherheiten zeigt sich, wie wichtig eine starke und resiliente industrielle Basis für unser Land ist. Dafür braucht es jetzt verlässliche Rahmenbedingungen – bei den Energiekosten, beim Schutz fairer Wettbewerbsbedingungen und bei der Unterstützung der Transformation.“

Dr. Martin Theuringer, Hauptgeschäftsführer Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie (BDG): „Die Gießereiindustrie ist ein unverzichtbares Rückgrat industrieller Wertschöpfung – auch in Niedersachsen. Doch der Druck durch hohe Energiekosten, unfairen Wettbewerb und wachsende Transformationsanforderungen ist enorm. Umso wichtiger ist es, dass Wirtschaftsverbände, Landesregierung und IG Metall im engen Austausch sind und wir uns gemeinsam für verbesserte politische Rahmenbedingungen einsetzen. Denn wir alle haben ein gemeinsames Ziel: eine starke Gießerei-Industrie in Niedersachsen und Deutschland zu erhalten.“

In der Gießerei-Industrie in Niedersachsen erwirtschaften rund 30 überwiegend mittelständische Betriebe mit etwa 3.200 Beschäftigten einen Jahresumsatz von rund einer Milliarde Euro. Sie liefern Schlüsselkomponenten für Maschinenbau, Automobilindustrie und Energiewirtschaft und leisten zugleich einen wichtigen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft.

Gleichzeitig befindet sich die Branche in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Seit 2018 sind Produktion und Beschäftigung deutlich zurückgegangen. Hohe Energiekosten, zunehmender internationaler Wettbewerbsdruck sowie der Transformationsdruck hin zu klimaneutralen Produktionsprozessen stellen viele Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen.

Der Niedersächsische Gießereidialog ist Teil einer bundesweiten Reihe von Branchentreffen im Jahr 2026. Die Ergebnisse aus Niedersachsen sollen in die weiteren Gespräche auf Bundesebene einfließen.

Positionspapier Gießerei-Dialog

Positionspapi Gießereidialog