Mit einer Lichtprojektion am Osnabrücker Autohaus richtete die Gewerkschaft den Blick auf die rund 60 Beschäftigten am BERESA-Standort Hannover und ihre Forderung nach tariflichen Standards, wie sie an anderen Standorten des Unternehmens bereits gelten.
Auf die Fassade projizierte die IG Metall die Botschaft: „Keine Zweiklassengesellschaft bei BERESA. Ein Konzern – ein Tarifvertrag!“ Zugleich forderte sie die Geschäftsführung auf, die abgebrochenen Tarifverhandlungen wieder aufzunehmen. Einen neuen Verhandlungstermin gibt es bislang nicht.
Im Kern geht es um eine Frage, die über die konkrete Auseinandersetzung in Hannover hinausweist: Wie einheitlich sind die Arbeitsbedingungen innerhalb eines Unternehmens, das nach außen als gemeinsamer Konzern auftritt? An zahlreichen BERESA-Standorten gelten die Tarifverträge des Kfz-Gewerbes. Für die Beschäftigten in Hannover gilt dieser tarifliche Standard bislang nicht.
Markus Wente, Verhandlungsführer der IG Metall: „Die Kolleginnen und Kollegen in Hannover wollen keine Sonderbehandlung. Sie wollen den Tarifstandard, der innerhalb der BERESA-Gruppe an vielen anderen Standorten längst gilt. Dass ausgerechnet in Hannover davon abgewichen wird, ist weder sachlich überzeugend noch auf Dauer vermittelbar. Wer einen Konzern führt, sollte auch bei den Arbeitsbedingungen einen gemeinsamen Maßstab anlegen.“
Die Beschäftigten fordern seit April die Einführung des Flächentarifvertrags für das Kfz-Gewerbe in Niedersachsen. Die bisherigen Gespräche wurden von der Arbeitgeberseite ohne Ergebnis beendet. Die IG Metall sieht keinen Grund, die Auseinandersetzung auf diesem Stand ruhen zu lassen.
Thadeus Mainka, zuständiger Gewerkschaftssekretär der IG Metall Hannover: „Für die Kundinnen und Kunden ist BERESA eben BERESA – unabhängig davon, ob sie ihr Auto in Osnabrück, Bielefeld oder Hannover kaufen. Bei den Beschäftigten soll plötzlich der Standort über den tariflichen Standard entscheiden. Das ist die Zweiklassengesellschaft, gegen die wir uns wenden. Ein Konzern, eine Marke, ein Tarifvertrag – das ist unser Anspruch.“
Die Lichtprojektion fand parallel zum jährlichen Sommerfest des Unternehmens statt. Sie richtete sich nach Angaben der IG Metall nicht gegen die Veranstaltung oder ihre Gäste, sondern sollte die öffentliche Aufmerksamkeit auf den Tarifkonflikt lenken. Für die Gewerkschaft steht dabei auch die Glaubwürdigkeit der von BERESA nach außen vertretenen Unternehmenswerte zur Debatte.
BERESA wirbt unter anderem mit Respekt, Wertschätzung und Tarifbindung. Aus Sicht der IG Metall müssen solche Ansprüche auch dort gelten, wo die Interessen von Beschäftigten und Unternehmensleitung unmittelbar aufeinandertreffen.
Mainka weiter: „Respekt und Wertschätzung sind keine Begriffe für die Außendarstellung. Sie müssen sich gerade dann bewähren, wenn es unterschiedliche Interessen gibt. Die Beschäftigten haben eine klare Forderung formuliert und die IG Metall steht für Gespräche bereit. Wer Tarifbindung als Unternehmenswert nennt, sollte auch bereit sein, über Tarifbindung zu verhandeln.“
Die Gewerkschaft hält den Weg zurück an den Verhandlungstisch ausdrücklich offen. Sie erwartet von der Geschäftsführung, einen neuen Termin zu vereinbaren und damit die Voraussetzungen für eine tarifliche Lösung zu schaffen.
Wente abschließend: „Wir suchen keinen öffentlichen Konflikt, sondern eine tarifliche Lösung. Aber Verhandlungen funktionieren nicht als Einbahnstraße. Die Beschäftigten haben ihre Forderung auf den Tisch gelegt. Jetzt liegt es an der Geschäftsführung, die Tür wieder zu öffnen. Die IG Metall steht bereit.“
Hintergrund: Die Beschäftigten am BERESA-Standort Hannover fordern seit April die Einführung des Flächentarifvertrags für das Kfz-Gewerbe in Niedersachsen. Die bisherigen Tarifgespräche wurden von der Arbeitgeberseite ohne Ergebnis beendet. Ein neuer Verhandlungstermin liegt bislang nicht vor. Nach Angaben der IG Metall blieben Anfragen der Gewerkschaft an die Geschäftsführung bislang unbeantwortet. Die BERESA-Gruppe beschäftigt mehr als 1.400 Menschen an rund 20 Standorten in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen und gehört zu den größeren Autohandelsgruppen Norddeutschlands.