VW-Vorstand will offenbar Sanierung auf Kosten der Steuerzahler IG Metall weist Forderung nach öffentlich geförderter Transfergesellschaft zurück

Volkswagen hält an der Kündigung von zehn Tarifverträgen fest. Deren Rücknahme hatte die IG Metall am Vormittag gefordert, um eine Eskalation abzuwenden.

VW-Tarifrunde 20. Dezember 2024

23. Oktober 2026 23. Oktober 2026


Nun ist die Gewerkschaft gezwungen, eine entsprechende Auseinandersetzung vorzubereiten, die ab dem Jahreswechsel möglich ist. IG-Metall-Verhandlungsführer Gröger hatte am Vormittag davor gewarnt, dass „eine gigantische Maschinerie anlaufe und der Arbeitgeber diese Eskalation zu verantworten habe“.

Im zweiten Überprüfungsgespräch im Rahmen des Zukunftstarifvertrags ließ der Vorstand viele wichtige Fragen der Gewerkschaft offen. Er war nicht bereit darzulegen, ob und wie er seine Zusagen aus dem Jahr 2024 einhalten will. Stattdessen will der Vorstand zusätzliche Instrumente, um Personal massiv abzubauen, und zwar standortübergreifend. Konkret heißt dies: Der Volkswagen-Vorstand will Personal über eine öffentlich geförderte Transfergesellschaft abbauen. Diesen Vorschlag hat er im zweiten Überprüfungsgespräch unterbreitet. Die IG Metall weist ihn entschieden zurück, wie bereits in den Tarifverhandlungen 2024. Sie wertet ihn als tarifpolitischen Wortbruch ohne tragfähige Rechtsgrundlage.

Daniela Cavallo, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates der Volkswagen AG: „Die Belegschaft hat ihre Beschäftigungssicherung teuer bezahlt. Der Vorstand will sie nun durch die Hintertür über eine Transfergesellschaft aushebeln – auf Kosten der Beitragszahler. Das haben wir 2024 abgewendet und wir stellen uns auch jetzt wieder entschieden dagegen.“

Eine Transfergesellschaft schlägt eine Brücke vom alten in ein neues Arbeitsverhältnis. Beschäftigte wechseln per Vertrag in eine eigenständige Einheit bei einem externen Träger. Ihr bisheriges Arbeitsverhältnis endet mit diesem Schritt. Bis zu zwölf Monate erhalten sie dort Beratung, Bewerbungstraining und Weiterbildung. Die Bundesagentur für Arbeit ersetzt 60 Prozent des ausgefallenen Nettoentgelts, mit Kindern 67 Prozent. Der frühere Arbeitgeber stockt diesen Betrag häufig auf. Wer danach keine Anschlussbeschäftigung findet, ist arbeitslos. Das Instrument richtet sich an Menschen, deren Arbeitsplatz zu entfallen droht. Bei Volkswagen aber sind betriebsbedingte Kündigungen bis 2030 durch die unkündbare Beschäftigungssicherung ausgeschlossen.

Diesen Ausschluss regelt der Zukunftstarifvertrag aus dem Tarifabschluss von Dezember 2024. Die Beschäftigten haben dafür hart gekämpft und erhebliche Opfer gebracht. Sie verzichten seit Anfang 2025 Jahr für Jahr auf 1,5 Milliarden Euro, etwa auf Sonderzahlungen und weitere Entgeltbestandteile. Der von VW forcierte Abbau von mehr als 35 000 Stellen erfolgt ausschließlich sozialverträglich. Er läuft über Altersteilzeit und Abfindungen. Die Revisionsklausel erlaubt beiden Seiten, ein Gespräch über veränderte Bedingungen zu verlangen. Ein Recht, Zusagen einseitig aufzuweichen, folgt daraus nicht. Aus Sicht der IG Metall scheint der Vorstand die Klausel sowie eine mögliche Transfergesellschaft als Hebel gegen die Beschäftigungssicherung missbrauchen zu wollen.

„Bevor die Beitragszahler einspringen, sind die Aktionäre in der Pflicht“, so Thorsten Gröger, Verhandlungsführer der IG Metall. „Es darf nicht sein, dass die Allgemeinheit zahlt, während die Anteilseigner weiter Dividenden kassieren.“

Die IG Metall setzt Transfergesellschaften bei Betriebsänderungen und Werksschließungen durch. Statt Beschäftigte in eine Transfergesellschaft zu schieben, sollte das Unternehmen die Zukunft von Volkswagen sichern. Dazu gehören neue Produkte, neue Märkte und technologische Führerschaft. „Der Vorstand setzt seine Kraft am falschen Ende ein“, führt Gröger aus und fügt an: „Sie gehört in Autos, die die Menschen kaufen wollen, und in Märkte, auf denen Volkswagen wachsen kann. Stattdessen fließt Euro um Euro an Unternehmensberater. Diese bringen Kahlschlag, aber keinen Funken Zukunft. Mit Streichlisten gewinnt man keinen einzigen Kunden