Hannover/Osnabrück, 30. Oktober 2026. Die Metallarbeitgeber im Tarifgebiet Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim haben die letzte Gelegenheit vertan, Warnstreiks abzuwenden. Die zweite Tarifverhandlung endet ohne Ergebnis. Das erstmals vorgelegte Angebot des Arbeitgeberverbands läuft auf eine krasse Minusrunde hinaus. Ab dem 1. November sind Warnstreiks unausweichlich.
Die Arbeitgeber bieten im Juli 2027 eine Einmalzahlung von 1 Prozent des durchschnittlichen Jahresbruttos an, im Tarifgebiet sind das rund 660 Euro. Die Tabellen sollen erst zum 1. Juli 2028 um 1,3 Prozent steigen, bei einer Laufzeit von 26 Monaten. Zwanzig Monate lang gäbe es kein dauerhaftes Plus. Die Einmalzahlung verpufft, sobald sie ausgezahlt ist. Und selbst sie steht unter Vorbehalt, denn über die automatische Differenzierung sollen Betriebe davon abweichen können.
„Vom 8. Oktober bis heute hatten die Arbeitgeber Zeit, sich Gedanken zu einem angemessenen Angebot zu machen. Das Ergebnis ist eine brutale Minusrunde für die Belegschaften!“, sagt Markus Wente, Verhandlungsführer der IG Metall für das Tarifgebiet. „Die Arbeitgeber fordern von den Beschäftigten einen Wohlstandsverlust durch Kaufkraftvernichtung. Wer das als Angebot bezeichnet, muss sich nicht wundern, dass die Geduld am Verhandlungstisch aufgebraucht ist.“
Dem kargen Angebot stellen die Arbeitgeber einen umfangreichen Katalog weiterer Forderungen gegenüber:
- Die automatische Differenzierung soll ausgeweitet und dauerhaft verankert werden.
- Krankenstände und die Senkung von Krankheitskosten sollen tariflich verpflichtender Gesprächsgegenstand werden.
- Gleiches soll für den Einsatz künstlicher Intelligenz gelten.
„20 Monate nichts in die Tabelle ist schon eine Provokation. Aber die Arbeitgeberforderung nach automatischer Differenzierung von Tarifbestandteilen übersteigt dieses nochmals!“, empört sich Stephan Soldanski, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Osnabrück. „Mit einer ausgeweiteten Differenzierung würde jede tarifliche Zusage zur Kann-Bestimmung. Der Notausgang für Betriebe in echter Not wird so zur Drehtür für alle.“
„Wertschätzung sieht anders aus! Kurz vor Halloween haben sich die Arbeitgeber für die Variante Saures für ihre Beschäftigten entschieden und heizen die Tarifrunde somit unnötig weiter an!“, so Soldanski weiter. „Verantwortliches Handeln sieht anders aus.“
Die IG Metall erkennt an, dass die Lage in den Betrieben auseinanderdriftet. Gerade deshalb hat sie Antworten für beide Seiten vorgelegt: Sicherheit für Betriebe, die kämpfen, und Beteiligung in Betrieben, die gut verdienen. Die Arbeitgeber greifen davon nur die eine Hälfte auf, und zwar die, die sie entlastet. „Es brennt nicht überall, und nicht überall wachsen die Bäume in den Himmel“, so Soldanski. „Die Arbeitgeber wollen die Spielräume nach unten erweitern und schweigen zu den Spielräumen nach oben. Wer die Unterschiede in der Branche ernst nimmt, muss auch über Gewinnbeteiligung reden. Alles andere ist Rosinenpickerei auf Kosten der Beschäftigten.“
Was die IG Metall erreichen will
- Mehr Geld: 5 Prozent mehr Entgelt und Ausbildungsvergütung bei zwölf Monaten Laufzeit.
- Soziale Komponente: Untere Entgeltgruppen sollen überproportional profitieren.
- Sichere Arbeitsplätze: Die tariflichen Instrumente zur Beschäftigungs- und Standortsicherung sollen weiterentwickelt werden.
- Anteil am Erfolg: In starken Betrieben sollen die Beschäftigten über eine tarifliche Gewinnbeteiligung teilhaben.
In der Nacht zum 1. November endet die Friedenspflicht. Ab dann kann und wird die IG Metall die Beschäftigten in Osnabrück, im Emsland und in der Grafschaft Bentheim zu Warnstreiks aufrufen. „Die Arbeitgeber hatten heute die letzte Chance, diesen Konflikt am Verhandlungstisch zu entschärfen. Sie haben sie verstreichen lassen“, unterstreicht IG Metall-Verhandlungsführer Wente. „Wir haben den Arbeitgebern die Hand gereicht, sie haben uns einen Rechenschieber hingehalten. Ab dem 1. November stimmen die Belegschaften mit den Füßen ab. Wie lange und wie deutlich, liegt allein an den Arbeitgebern.“