Bereits um 2:00 Uhr in der Nacht eröffnete die Belegschaft von Thermo Electron LED in Osterode den Protesttag. Ob in Hannover, Braunschweig, Südniedersachsen oder im Mansfelder Land: Überall protestierten Metallerinnen und Metaller gegen das Angebot der Arbeitgeber.
Im Zentrum des Tages stand die niedersächsische Landeshauptstadt. Auf dem Hannoveraner Opernplatz versammelten sich rund 2.200 Beschäftigte zu einem zentralen Warnstreik. Sie kamen unter anderem aus den Betrieben von ZF WABCO, Renk, Komatsu, Faurecia, KONE, KraussMaffei, MTU Maintenance und Siemens. Als Hauptredner trat Thorsten Gröger auf, Bezirksleiter der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Auch abseits von Hannover setzten die Belegschaften deutliche Zeichen. In Osterode zogen rund 250 Warnstreikende in einem Demonstrationszug zur Pillerkreuzung. Daran beteiligten sich Beschäftigte von Piller, KAMAX, Miba, Exide, Bilfinger, Harz Guss Zorge und Pleissner Guss. In Sachsen-Anhalt bildete Hettstedt einen Schwerpunkt: Dort versammelten sich rund 350 Beschäftigte von KME Mansfeld, KM Copper Bars, Elcowire, Elcowire Rail und STEP-G Hettstedt.
Am Vormittag ruhte darüber hinaus an zahlreichen weiteren Standorten die Arbeit: In Braunschweig und Wolfenbüttel stand die Produktion unter anderem bei der Braunschweiger Flammenfilter und MKN still. Auch bei Siemens Mobility wurde in der Fertigung zeitweise die Arbeit niedergelegt. Insgesamt beteiligten sich rund 650 Beschäftigte an den Warnstreikaktionen in der Löwenstadt und Umgebung. Im weiteren Tagesverlauf werden weitere Schichten in den Warnstreik treten. Im Wendland und in Uelzen schlossen sich Beschäftigte von Musashi, SKF und Elmess den Protesten an. In Sachsen-Anhalt beteiligten sich zudem die Belegschaften von thyssenkrupp Presta in Schönebeck und LHY Powertrain in Ballenstedt. Bei Federal-Mogul in Beckedorf verlängerten die Beschäftigten ihre Mittagspause.
„Die Beschäftigten bringen unmissverständlich zum Ausdruck, was sie vom Angebot der Arbeitgeber halten. Wer meint, die Belegschaften mit einer Einmalzahlung unter Vorbehalt ruhigstellen zu können, hat sich gründlich verrechnet!“, so Thorsten Gröger, IG Metall-Verhandlungsführer für die Metall- und Elektroindustrie in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.
Auslöser der Proteste ist das Angebot, das die Arbeitgeber in der zweiten Verhandlung vorgelegt haben. Für Juli 2027 sieht es lediglich eine Einmalzahlung vor, die Betriebe unter bestimmten Umständen streichen können. Eine dauerhafte Erhöhung der Entgelte um 1,3 Prozent soll erst im Juli 2028 folgen, bei einer Laufzeit von 26 Monaten. „Zwanzig Monate ohne dauerhaftes Plus: Das ist eine Minusrunde mit Ansage!“, so Gröger.
Die IG Metall fordert 5 Prozent mehr Entgelt und Ausbildungsvergütung. Hinzu kommen eine soziale Komponente für die unteren Entgeltgruppen, eine Stärkung der Beschäftigungssicherung und eine tarifliche Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich starken Betrieben. Für die kommenden Tage hat die Gewerkschaft weitere Warnstreiks angekündigt. „Wir haben einen langen Atem“, führt der Metaller aus. „Die Arbeitgeber können diesen Konflikt in der nächsten Verhandlung beilegen, mit einem Angebot, das die Leistung der Beschäftigten anerkennt. Bis dahin bleiben wir auf der Straße.“