Noch in der Nacht traten die ersten Belegschaften in den Ausstand: Etwa bei ZF in Gronau oder bei MKN in Wolfenbüttel ruhte die Arbeit.
Über den Tag hinweg fanden drei Großkundgebungen statt: In Salzgitter versammelten sich über 1.800 Beschäftigte an der Kreuzung der Metallerinnen und Metaller. Sie kamen unter anderem aus den Betrieben von MAN Truck & Bus, Bosch, Alstom, Magna und Stoll sowie weiteren Betrieben. Auch Beschäftigte des Stahlwerkes, von Volkswagen und der PowerCo zeigten sich solidarisch. In Osnabrück zogen rund 2.000 Metallerinnen und Metaller in zwei Demonstrationszügen von KME und von VW Osnabrück zum DGB-Haus. Zahlreiche Betriebe nahmen an der Kundgebung teil. Dort ergriff Nadine Boguslawski, Tarifvorständin der IG Metall, das Wort. In Göttingen formierte sich ein Demonstrationszug mit rund 1.000 Beschäftigten vom Schützenanger bis zum Gänseliesel. Daran beteiligten sich unter anderem Belegschaften von Sartorius, Novelis, Mahr, Bosch und Carl Zeiss sowie Gotion.
Auch in Sachsen-Anhalt gewann der Protest an Breite. In Kabelsketal setzte sich die Belegschaft von DP World Logistics bereits um 4:45 Uhr in Bewegung. In Halle sammelten sich die Beschäftigten von Smart Press Shop, in Gatersleben die Belegschaften von Novelis. Darüber hinaus ruhte die Arbeit bei Siemens Mobility in Irxleben, bei DP World in Halberstadt und bei BTT Solutions in Berga.
Auch abseits der Großkundgebungen beteiligten sich zahlreiche Belegschaften an den Warnstreiks. In Holzminden zogen die Beschäftigten von Stiebel Eltron mit einem Demonstrationszug durch die Stadt. Bei Lenze in Aerzen beteiligten sich mehrere Gesellschaften am Ausstand, in Braunschweig setzten die Belegschaften von BMA und Lanico ein Zeichen. Auch bei BOGE Elastmetall in Damme und bei ZF in Wagenfeld legten Beschäftigte die Arbeit nieder.
„Die Beschäftigten haben genug von Krisenrhetorik und Hinhaltetaktik. Sie erwarten Respekt für ihre Arbeit, und den gibt es nicht zum Nulltarif oder gar mit fettem Minus“, so IG Metall-Verhandlungsführer Thorsten Gröger.
Auslöser der Proteste ist das Angebot, das die Arbeitgeber in der zweiten Verhandlung vorgelegt haben. Für Juli 2027 sieht es lediglich eine Einmalzahlung vor, die Betriebe unter bestimmten Umständen streichen können. Eine dauerhafte Erhöhung um 1,3 Prozent soll erst im Juli 2028 folgen, bei einer Laufzeit von 26 Monaten. „Zwanzig Monate ohne dauerhaftes Plus sind eine Minusrunde“, so Bezirksleiter Gröger. „Wer so wenig bietet, treibt den Konflikt selbst voran. Die Arbeitgeber müssen in der nächsten Verhandlung ein Angebot vorlegen, über das sich ernsthaft verhandeln lässt.“
Die IG Metall fordert 5 Prozent mehr Entgelt und Ausbildungsvergütung bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Hinzu kommen eine soziale Komponente für die unteren Entgeltgruppen, eine Stärkung der Beschäftigungssicherung und eine tarifliche Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich starken Betrieben.
Ein Ende der Proteste ist nicht in Sicht. Am Donnerstag und Freitag ruft die IG Metall in den Tarifgebieten erneut zu Warnstreiks auf. Am Freitag, 6. November, treffen IG Metall und NiedersachsenMetall zur dritten Verhandlung für die niedersächsische Metall- und Elektroindustrie zusammen. In Sachsen-Anhalt und Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim folgen die dritten Verhandlungsrunden am Montag, 9. November.