IGM präsentiert Vorschlag zur Lösung der Tarifauseinandersetzung Arbeitgeber bessern Angebot keinen Zentimeter nach & verharren mit beiden Füßen auf dem Bremspedal

Die dritte Tarifverhandlung für die Metall- und Elektroindustrie in Niedersachsen ist am Freitagmittag in Hannover ohne Ergebnis geblieben.

2026-11-03 Warnstreik Hannover Flagge

6. November 2026 6. November 2026


Die Arbeitgeber hielten an ihrem bisherigen mickrigen Angebot fest. Die IG Metall hat ihnen daraufhin einen eigenen Lösungsvorschlag unterbreitet.

Das weiterhin gültige Arbeitgeber-Angebot sieht für die kommenden 20 Monate kein dauerhaftes Plus bei den Entgelten vor. Außerdem soll eine Einmalzahlung von 660 Euro im Juli 2027 fließen, die auch wegfallen kann. In der dritten Runde legten sie keine Nachbesserung vor. Kritik übten sie dagegen an den Warnstreiks der vergangenen Tage. „Die Arbeitgeber hatten heute die Chance, ein Angebot vorzulegen, das den Namen verdient. Sie haben sie nicht genutzt“, führt Thorsten Gröger, Bezirksleiter und Verhandlungsführer der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, aus. „Wer ein Minus-Angebot nicht korrigiert und sich dann über den Protest der Beschäftigten beklagt, verkennt die Stimmung in den Betrieben.“

Besonders deutlich wird die massive Schieflage in den bisherigen Verhandlungen: Die Arbeitgeber fordern weitreichende Zugeständnisse, sind aber selbst kaum bereit, etwas anzubieten. Weder bei der Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten noch auf der materiellen Seite kommen sie den Beschäftigten ernsthaft entgegen. Unter diesen Voraussetzungen ist ein gemeinsamer Lösungskorridor weiterhin meilenweit entfernt.

Die IG Metall hält an ihrem Tarifpaket fest. Sie fordert 5 Prozent mehr Entgelt. Außerdem braucht es eine soziale Komponente, eine tarifliche Gewinnbeteiligung in Boom-Unternehmen und tariflich gesicherte Beschäftigung. „Wir stehen für gerechte Entgelte und für eine sichere Zukunft aller Beschäftigten. Daran ändert auch das desaströse und provokante Minus-‚Angebot‘ der Arbeitgeber nichts“, sagt Gröger. „Ein pauschaler Verzicht rettet nichts und niemanden. Ein Konzept für mehr Zukunfts- und Beschäftigungssicherung sind uns die Arbeitgeber bis heute schuldig geblieben. Deshalb haben wir selbst eines auf den Tisch gelegt.“

Viele Unternehmen stecken in einer Struktur- und Produktkrise. Die IG Metall hat NiedersachsenMetall in der dritten Verhandlung deshalb ein Paket vorgeschlagen, das Beschäftigung sichern, die Standorte zukunftsfest machen und die Flächentarifbindung ausbauen soll. Kern ist ein eigener, zeitlich befristeter Tarifvertrag, der Investitionen, Wertschöpfung und Arbeitsplätze absichert. Auf dieser Grundlage könnten tarifliche Leistungen in einzelnen Betrieben vorübergehend und in begrenztem Umfang angepasst werden. Die Hoheit darüber liegt bei den Tarifvertragsparteien, die Mitglieder der IG Metall werden beteiligt. Zwingende Voraussetzung sind verbriefte und verbindliche Zusagen der Unternehmen für Investitionen, sichere Arbeitsplätze und den Erhalt der Standorte. „Beschäftigte brauchen Zukunft. Und Zukunft braucht Verbindlichkeit statt Willkür“, so der Metaller. „Unser Vorschlag gibt den Betrieben Luft, wenn es schwierig wird. Er verlangt dafür aber Verbindlichkeit: Investitionen hier, Arbeitsplätze hier, Zukunft hier.“

Seit dem Ende der Friedenspflicht am 1. November haben sich in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt über 16.500 Beschäftigte an Warnstreiks beteiligt. In Niedersachsen gab es Aktionen unter anderem in Hannover, Salzgitter, Braunschweig, Hildesheim und Osnabrück. Weitere Aktionen gab es rund um Lüneburg, im Harz, im südlichen Niedersachsen und am Dümmer. In Sachsen-Anhalt legten Belegschaften in Magdeburg, Halle, im Raum Halberstadt und im Mansfelder Land die Arbeit nieder.

Nun richtet sich der Blick auf das Wochenende. Die Arbeitgeber haben Zeit, ihr bisheriges Angebot zu überdenken und nachzubessern. Außerdem erwartet die Gewerkschaft eine angemessene Antwort auf ihren Lösungsvorschlag. Am Montag wird unter anderem in den Tarifgebieten Sachsen-Anhalt und Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim sowie anderenorts in der Bundesrepublik weiterverhandelt. „Wir fordern die Arbeitgeber auf, dort endlich ein Angebot vorzulegen, über das sich ernsthaft verhandeln lässt. Unser Konzept liegt auf dem Tisch. Jetzt müssen die Arbeitgeber zeigen, ob sie tatsächlich an einer gemeinsamen Lösung interessiert sind“, so Gröger. Ein neuer Verhandlungstermin für Niedersachsen steht noch nicht fest.

Der Montag ist damit auch eine letzte Chance, noch Bewegung in die Verhandlungen zu bringen. Bleibt eine tragfähige Antwort aus, wird sich die Auseinandersetzung verschärfen. „Wir sind bereit, Lösungen zu vereinbaren. Aber die Richtungswahl obliegt allein den Arbeitgebern“, erklärt Gröger. „Entweder setzen sie den Blinker und ordnen sich in die richtige Spur ein. Oder sie steuern sehenden Auges auf eine deutlich härtere Auseinandersetzung zu. Die Verantwortung dafür tragen dann sie allein.“