Bereits im April hatten die Beschäftigten die Forderung erhoben, den Flächentarifvertrag des Kfz-Gewerbes in Niedersachsen einzuführen. Nachdem die bisherigen Gespräche seitens des Arbeitgebers ohne Ergebnis beendet wurden, liegt bislang kein Termin für eine Fortsetzung der Verhandlungen vor.
Für die Beschäftigten ist diese Haltung nicht nachvollziehbar: „Tarifverhandlungen leben vom Dialog und von der Bereitschaft, Lösungen am Verhandlungstisch zu finden. Die Kolleginnen und Kollegen sind gesprächsbereit und erwarten, dass auch die Arbeitgeberseite ihrer Verantwortung gerecht wird“, erklärt Markus Wente, Verhandlungsführer der IG Metall.
Besonders irritierend ist der Widerspruch zwischen dem öffentlichen Anspruch der Geschäftsführer und dem aktuellen Verhalten in den Verhandlungen. Die BERESA-Gruppe wirbt insgesamt mit Tarifbindung und guter Ausbildung. Sie beschreiben Werte wie Zuverlässigkeit, Teamgeist, Respekt und Wertschätzung als das Fundament ihrer Unternehmenskultur. Diese Grundwerte sind auch Bestandteil des Qualitätssiegels AutohausFair, mit dem die IG Metall faire Kfz-Arbeitgeber bundesweit auszeichnet - bislang auch die BERESA-Gruppe.
„AutohausFair darf kein reines Werbeversprechen sein. Gerade wenn es um die Interessen der Beschäftigten geht, muss sich zeigen, wie ernst eine Geschäftsführung seine eigenen Ansprüche und seine Unternehmenskultur nimmt. Faire Arbeitgeber erkennt man daran, dass sie Konflikte am Verhandlungstisch lösen und Gespräche nicht verweigern“, so Wente weiter.
Die BERESA-Gruppe ist in den vergangenen Jahren beständig gewachsen. Neben den Hauptstandorten in den Regionen Münster, Osnabrück und Bielefeld, sind weitere Autohäuser aufgekauft worden - unter anderem im Oktober 2024 das ehemalige Autohaus Pagel in Hannover. Seit der Integration in die BERESA-Gruppe prankt deren Name an der Fassade, doch die Arbeitsbedingungen unterscheiden sich deutlich zu denen der tarifgebundenen Hauptstandorte.
Trotz unterschiedlicher Gesellschaften treten die Standorte unter einer gemeinsamen Marke auf und erwirtschaften gemeinsam den Erfolg: „Für die Kundinnen und Kunden ist BERESA ein Unternehmen. Deshalb erwarten die Beschäftigten zu Recht faire und einheitliche Standards. Unser Ziel bleibt klar: Eine Unternehmensgruppe, ein Tarifvertrag. Wer gemeinsam arbeitet und gemeinsam zum Erfolg beiträgt, darf nicht von unterschiedlichen Regelungen abhängig sein“, betont Thadeus Mainka, von der IG Metall Hannover.
Die Arbeitsbedingungen in Hannover liegen deutlich unter denen der anderen BERESA Standorte: Arbeitszeiten zum Teil deutlich oberhalb 40 Stunden, Monatslöhne bis zu 20% unter dem Standard im restlichen Konzern und Ausbildungsvergütungen, die nicht einen Cent oberhalb des gesetzlichen Mindestmaßes liegen.
„Die Kolleginnen und Kollegen in Hannover wollen keine Sonderbehandlung. Sie wollen faire und verlässliche Regeln, wie sie im Konzern üblich sind. Wer sich öffentlich zu Wertschätzung, Respekt und Tarifbindung bekennt, sollte auch bereit sein, Tarifverhandlungen zu führen und sich am eigenen Standard messen zu lassen. Faire Arbeitgeber erkennt man nicht an Hochglanzbroschüren und blumigen Worten, sondern ob sie auf die Beschäftigten zugehen und gemeinsame Lösungen suchen“, so Mainka weiter.
Die IG Metall fordert die Arbeitgeberseite auf, kurzfristig an den Verhandlungstisch zurückzukehren und die Gespräche fortzusetzen: „Die Tür für Verhandlungen steht offen. Ich durfte die Geschäftsführer in den letzten Jahren immer als faire Sozialpartner kennenlernen. Gute Partnerschaft jedoch zeigt sich dadurch, wie eine Geschäftsführung im Konflikt handelt. Jetzt liegt es an ihnen und den Eigentümern, soziale Verantwortung zu übernehmen und den Weg für eine faire Lösung freizumachen“, so Wente abschließend.
Hintergrund: Die BERESA-Gruppe beschäftigt über 1.400 Menschen, davon 200 Auszubildende an circa 20 Standorten in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Die Hauptregionen liegen in Münster, Osnabrück und Bielefeld. Weitere Unternehmen wurden in den vergangenen Jahren im Zuge der Expansion aufgekauft und integriert. Mit einem Umsatz von rund einer Milliarde Euro, ist BERESA eine der größten Autohandelsgruppen in Nord-Deutschland und vertritt die Marken Mercedes-Benz, smart, Hyundai, Genesis und Ford. Bereits seit vielen Jahren trägt BERESA das Siegel „AutohausFair“. Damit zeichnet die IG Metall Autohäuser aus, wenn diese neben einer gelebten Mitbestimmung durch einen Betriebsrat auch selbst ausbilden und ihre Beschäftigten zu tariflichen Bedingungen am Unternehmenserfolg teilhaben lassen. Letzteres verweigert BERESA den Beschäftigten am Standort Hannover aktuell.