IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt Statement des IG Metall-Bezirksleiters Thorsten Gröger zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

„Die Wählerinnen und Wähler haben entschieden. Das Ergebnis dieses Abends markiert eine politische Zäsur, die als Ausdruck des demokratischen Willens zu respektieren ist."

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6. September 2026 6. September 2026


"Zugleich gibt es für die IG Metall einen verbindlichen normativen Rahmen: Demokratie, Tarifautonomie, Mitbestimmung und die Gleichheit der Rechte aller Menschen sind für uns nicht Gegenstand wechselnder politischer Mehrheiten. Sie bilden die Grundlage einer freiheitlichen und solidarischen Gesellschaft. Herkunft, Religion oder Lebensweise dürfen dabei weder den Umfang individueller Rechte noch die Möglichkeiten gesellschaftlicher und beruflicher Teilhabe bestimmen.

Das Wahlergebnis verweist auf eine tiefgreifende politische und gesellschaftliche Unzufriedenheit, die sich nicht auf einen einzelnen Faktor reduzieren lässt. Ökonomische Unsicherheit, die Sorge um Arbeitsplätze und industrielle Perspektiven ebenso wie das Gefühl politischer Nichtrepräsentation prägen die Wahrnehmung vieler Menschen. Diese Erfahrungen verdienen eine ernsthafte Auseinandersetzung. Aus der Stärke der AfD folgt jedoch nicht die Tragfähigkeit ihrer politischen Antworten. Wo soziale und wirtschaftliche Verunsicherung durch Ausgrenzung, Polarisierung und die Infragestellung demokratischer Institutionen beantwortet wird, lassen sich die strukturellen Herausforderungen des Landes nicht lösen.

Für Sachsen-Anhalt stellt sich damit auch eine wirtschaftspolitische Frage: Wie kann das Land für Investitionen, industrielle Wertschöpfung und qualifizierte Fachkräfte attraktiver werden? Standortentscheidungen hängen längst nicht mehr allein von Steuern, Fördermitteln und Flächen ab. Ebenso zählen politische und rechtliche Stabilität, Infrastruktur, Energieversorgung und internationale Offenheit. Gerade für ein Land, das auf industrielle Neuansiedlungen und die Sicherung bestehender Wertschöpfung dringend angewiesen ist, kann ein politisches Klima, das Unsicherheit erzeugt oder internationale Fachkräfte abschreckt, zum Standortnachteil werden.

Die IG Metall wird ihre Arbeit nicht von parteipolitischen Konstellationen abhängig machen. Gegenüber jeder Landesregierung werden wir die Interessen der Beschäftigten vertreten und insbesondere dort entschieden Widerspruch leisten, wo grundgesetzliche Schutzrechte, Tarifautonomie oder Mitbestimmung infrage gestellt werden. Unsere politische Handlungsfähigkeit gründet dabei auf der Fähigkeit, Beschäftigte zu organisieren, kollektive Interessen zu artikulieren und ihnen im Betrieb wie in der Gesellschaft wirksame Geltung zu verschaffen.“


Thorsten Gröger Bezirksleitung Niedersachsen und Sachsen-Anhalt