Forderungsdebatte in der Metall- und Elektroindustrie spitzt sich Beschäftigte wollen mehr Geld und Sicherheit

Mit der aktivierenden Befragung hat die IG Metall in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt in den vergangenen Wochen die Beschäftigten unmittelbar zu ihren Erwartungen an die Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie befragt.

Beschäftigte machen während der Metall-Tarifrunde 2024 mit Warnstreiks Druck für ihre Forderung

10. September 2026 10. September 2026


15.353 Beschäftigte aus 173 Betrieben haben sich beteiligt. Das Ergebnis zeichnet ein klares Bild: Besonders stark schlagen die gestiegenen Lebenshaltungskosten zu Buche. 67,4 Prozent nennen die gestiegenen Preise für den Lebensunterhalt als eines der Themen, die sie derzeit am meisten beschäftigen. Dahinter folgen die Zukunft des eigenen Betriebs mit 59,1 Prozent und die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes mit 57,5 Prozent. Auch Altersvorsorge, Gesundheits- und Pflegekosten sowie Wohnkosten gehören für viele Beschäftigte zu den drängenden Fragen. 

Zugleich ist der Blick auf die wirtschaftliche Lage der Betriebe differenziert. 46,2 Prozent bewerten die Situation in ihrem Betrieb als gut oder sehr gut, 32,8 Prozent als „geht so“. Rund ein Fünftel schätzt die Lage als schlecht oder sehr schlecht ein. Die Beschäftigten nehmen die unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklungen damit sehr wohl wahr. Bei der Frage nach dem Entgelt fällt das Ergebnis deutlich aus: 82,1 Prozent halten eine moderate oder kräftige Entgelterhöhung für angemessen und notwendig. 50,8 Prozent sprechen sich für eine moderate, 31,3 Prozent für eine kräftige Erhöhung aus. Nur knapp 18 Prozent halten eine kleine oder keine Entgelterhöhung für angemessen. 

Thorsten Gröger, Bezirksleiter und Verhandlungsführer der IG Metall für die Tarifgebiete Niedersachsen und Sachsen-Anhalt: „Der Druck auf die Portemonnaies der Beschäftigten wächst. Gleichzeitig sehen sie sehr genau, dass die wirtschaftliche Lage in den Betrieben unterschiedlich ist. Beides muss in dieser Tarifrunde seinen Platz haben. Die aktuelle Lage darf allerdings nicht dazu missbraucht werden, aus den Problemen einzelner Betriebe einen Freibrief für flächendeckenden Verzicht zu machen.“

Die Befragung ist Teil der Vorbereitung der IG Metall auf die Tarifbewegung. Sie diente neben der Erhebung der Erwartungen vor allem dem direkten Austausch mit den Beschäftigten und der Rückkopplung ihrer Anliegen in die Tarifkommissionen. Dort wurden die Ergebnisse am heutigen Vormittag in Hannover beraten.

Am 22. September bringen die regionalen Tarifkommissionen die Forderungsdebatte zum Abschluss und beschließen ihre jeweiligen Forderungen. Einen Tag später bündelt der IG Metall-Vorstand die Forderungen. Mit dem Auslaufen der Entgelttarifverträge am 31. Oktober 2026 endet zugleich die Friedenspflicht, ab dem 1. November sind damit Warnstreiks möglich. Im Bezirk Niedersachsen und Sachsen-Anhalt wird in drei Tarifgebieten verhandelt. Den Auftakt machen am 8. Oktober die ersten Verhandlungen mit den Arbeitgebern in Hannover (Tarifgebiet Niedersachsen), Osnabrück (Tarifgebiet Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim) und Magdeburg (Tarifgebiet Sachsen-Anhalt).