Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und Perspektiven ZF-Standorte in Hannover, Langenhagen, Jeversen und Gronau bis 2030 gesichert

Nach sieben Monaten intensiver Verhandlungen haben Betriebsrat, IG Metall und Arbeitgeber bei ZF einen Durchbruch erzielt.

Warnstreik ZF Hannover

18. September 2026 18. September 2026


Unternehmen und Arbeitnehmervertretung haben ein Eckpunktepapier zur Verlängerung des Zielbilds bis 2030 unterzeichnet. Damit liegt nun die Grundlage für eine Vereinbarung vor, die den vier Standorten Hannover, Langenhagen, Jeversen und Gronau bis Ende 2030 eine verbindliche Perspektive gibt.

Der Einigung war eine monatelange Auseinandersetzung vorausgegangen. Nach Abschluss der Verhandlungen war der Prozess zunächst für zwei Monate durch den Vorstand blockiert worden. Erst in Gesprächen Ende August kam es zu einer Annäherung: Der Vorstand rückte von zuvor erhobenen Forderungen ab, die Betriebsrat und IG Metall als nicht akzeptabel zurückgewiesen hatten. Damit wurde der Weg für die nun erzielte Einigung frei.

Das Eckpunktepapier verbindet Standortsicherheit mit konkreten Zusagen für Beschäftigung, Produkte und Investitionen. Vorgesehen ist die Sicherung des Verbundstandortes Hannover, Langenhagen, Jeversen und Gronau bis zum 31. Dezember 2030. Zugleich werden Kernkompetenzen, Produktneuanläufe und Produktlinien verbindlich festgeschrieben, um Auslastung, Weiterentwicklung und Investitionen an den Standorten abzusichern.

Eine besondere Bedeutung kommt dabei Hannover zu: Der Standort bleibt Leitfabrik im ZF-Konzern für Brems- und Fahrzeugregelsystem-Produkte. Auch für die Beschäftigten enthält die Vereinbarung konkrete Zusagen. Betriebsbedingte Kündigungen werden bis Ende 2028 ausgeschlossen. Nach einem Prüfschritt im Sommer 2028 soll dieser Ausschluss bis Ende 2030 verlängert werden.

Hinzu kommen Regelungen zur Beschäftigungssicherung: Die Leiharbeit wird auf 36 Monate begrenzt. Eine anschließende Befristung wird ausgeschlossen. Damit erhalten Beschäftigte in Leiharbeit nach 36 Monaten eine unbefristete Perspektive. Auch Auszubildende und Dualstudierende sollen unbefristet übernommen werden.

Jens Schäfer, Betriebsratsvorsitzender von ZF Hannover, erklärt: „Mit der Vereinbarung von Eckpunkten für die Verlängerung des Zielbilds bis Ende 2030 ist dem Betriebsrat zusammen mit der IG Metall und der Belegschaft der Durchbruch nach harten Verhandlungen mit dem Arbeitgeber gelungen. Dies ist ein großer Erfolg für die Belegschaft. Warum der Vorstand die Verhandlungen am Ende blockierte, bleibt allerdings sein Geheimnis.“

Für den Standortverbund ist die Vereinbarung zugleich ein Beitrag zur Beschäftigungssicherung in einer Phase, in der die industrielle Transformation bei ZF mit erheblichen Veränderungen verbunden ist. Gerade deshalb war für Betriebsrat und IG Metall entscheidend, nicht nur einen zeitlichen Aufschub zu erreichen, sondern konkrete industrielle Perspektiven für die einzelnen Standorte festzuschreiben.

Carsten Schulz, Betriebsratsvorsitzender von ZF Gronau, sagt dazu: „Durch die Verlängerung des Zielbildes bekommen die Kolleginnen und Kollegen auch an dem kleineren Standort Gronau Sicherheit in diesen rauen Zeiten. Der Zeitrahmen darf nur ein Zwischenschritt sein, denn jahrelange gute Arbeit kann nur geleistet werden, wenn man sich nicht immer wieder Gedanken über seinen Job, den Erhalt des Standortes oder des ganzen Konzerns machen muss. Mehr Vertrauen in die Belegschaft wäre der richtige Ansatz des Vorstands.“

Die Vereinbarung ist auch mit Beiträgen der Beschäftigten verbunden. So wird die Zahl der Arbeitszeitverkürzungstage (AZVK) von bisher 12,5 auf 12 Tage pro Jahr reduziert. Gleichzeitig wird das bereits mit dem Zielbild 2022 eingeführte Transformationskonto fortgeführt. Über dieses Zeitkonto im Umfang einer Arbeitswoche kann der Arbeitgeber bei geringerer Auslastung verfügen.

Susanne Heyn, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Hannover, sagt: „Diese Vereinbarung zeigt, dass Beschäftigte keineswegs machtlos sind. Erst die Geschlossenheit der Belegschaft, das beharrliche Handeln des Betriebsrats und die Unterstützung der IG Metall haben Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen gebracht. Die Zukunft des Standortverbundes wird nicht am grünen Tisch entschieden, sondern durch die Menschen, die hier jeden Tag arbeiten. Die vereinbarten Eckpunkte geben den Beschäftigten Sicherheit und Perspektiven. Jetzt kommt es darauf an, diese Ergebnisse in einem starken Zielbild 2030 verbindlich auszugestalten.“

Mit der Unterzeichnung des Eckpunktepapiers ist der Verhandlungsprozess noch nicht abgeschlossen. In den kommenden Wochen werden die vereinbarten Eckpunkte in ein vollständiges Zielbild 2030 überführt. Entscheidend wird dabei sein, die nun getroffenen Zusagen zu Standorten, Produkten, Beschäftigung und Investitionen entsprechend verbindlich auszugestalten.